4- Warum Problembilderbücher wichtig sind

Dienstag, 21. August 2007

Warum Problembilderbücher wichtig sind

Auch Kinder sind naturgemäß nicht vor Schwierigkeiten, die sich aus dem Zusammenleben mit anderen Menschen ergeben, gefeit; was die Bewältigung dieser Probleme jedoch grundlegend erschwert, ist einerseits die bei jüngeren Kindern noch nicht ausgebildete Fähigkeit zur inneren Selbstbetrachtung und andererseits das altersbedingte Unvermögen, große Gefühle auf sozial verträgliche Weise zu bewältigen. Das Erleben von Freude ist noch einfach, deutlich schwieriger wird es, mit Angst, Wut und Trauer umzugehen. Hier bietet sich jedoch eine verhältnismäßig einfache erzieherische Lösung an, nämlich die sogenannten Problembilderbücher, die sich mit im kindlichen Alltag auftretenden Konfliktsituationen befassen. Durch Nutzung der Tatsache, dass Kinder noch in der Lage sind, Geschichten mitzuleben, ohne sich innerlich in irgendeiner Weise zu distanzieren, wird es möglich, mit Hilfe von Texten Krisen zu überstehen, indem die Hauptfiguren die Situationen stellvertretend für das Kind bewältigen und das Kind entsprechende Strategien in das eigene Leben übernimmt, wobei sich das Kind auch verstanden fühlt, da es spürt, dass seine Umgebung Anteil nimmt und dass es darüber hinaus mit seinen Gefühlen nicht alleine ist.

Sie denken, das sei zu einfach ? Glauben Sie mir, das ist es gerade nicht, denn Kinder sind erfreulicherweise viel unkomplizierter als wir Erwachsenen ! Auch in Kindergärten und Schulen wird oft mit dieser Art Büchern gearbeitet, wenn es darum geht, Probleme in der Gruppe in den Griff zu bekommen, denn einprägsame Bilder und kurze, treffende Texte bewirken bei Kindern viel. Seien wir doch ehrlich: Wenn es beispielsweise darum geht, den Tod eines nahestehenden Familienmitgliedes zu bewältigen, sind wir doch selber oft genug sprachlos – wie sollen wir dann erst recht einem Kind dabei helfen können, mit seinen Gefühlen zurechtzukommen ?

Ob es sich um Todesfall, Trennung, Umzug, Streit unter Freunden, Wutausbrüche, nächtliche Ängste, Eifersucht auf ein neugeborenes Geschwisterchen und dergleichen mehr handelt – für jeden dieser Gefühlszustände gibt es passende Bücher. Bedienen Sie sich in diesem reichhaltigen Fundus und Sie werden feststellen, dass sich so manche Schwierigkeit verhältnismäßig schnell in Luft auflöst !

Nachstehend finden Sie meine persönliche Zusammenstellung von aktuellen Problembilderbüchern (Der Einfachheit halber sind an dieser Stelle lediglich die Autoren erwähnt, was jedoch die Bedeutung der Illustratoren und Illustrationen in keiner Weise schmälern soll !); diese ist nach Stichwörtern angelegt, um Ihnen die Auswahl zu erleichtern. Ferner finden Sie einige Buchtipps, die dazu beitragen, die Selbstsicherheit Ihres Kindes zu stärken, indem sie es ermutigen, bei körperlichen Übergriffen „Nein“ zu sagen und zu seinen Gefühlen zu stehen (Es gibt keine „guten“ und „schlechten“ Gefühle, es kommt nur auf den Umgang mit ihnen an). Auf einige der gelisteten Bücher werde ich bei den Buchempfehlungen noch genauer eingehen; sollten Sie darüber hinaus zu den untenstehende Büchern Fragen haben, wenden Sie sich bitte via Kommentarfunktion an mich !

Tod/Trennung/Veränderung der Lebensumstände:

Weitze – Wie der kleine Elefant einmal sehr traurig war und wie es ihm wieder gut ging; bohem press (Verlust, Trauerarbeit)
Blazejovsky – Lea zieht um; Jungbrunnen (Ortswechsel)
Schneider – Papa wohnt nicht mehr bei uns; Betz (Trennung der Eltern)
Oyen – Abschied von Rune; Ellermann (Unfalltod eines Freundes)
Haentjes – Emil Elefantenkind; Sauerländer (Getrennt lebende Eltern)
Schössow – Gehört das so ?; Hanser (Ein wunderbar exzentrisches Buch, das sehr treffend die menschliche Hilflosigkeit angesichts des Todes wiedergibt)
Beuscher – Über den großen Fluss; Sauerländer (Tod, Trauerarbeit)

Wut/Trotz:

Nöstlinger – Anna und die Wut; Dachs (Wie man mit Wut umgehen kann)
D’Allancé – Robbi regt sich auf; Moritz (Wut ist beherrschbar – wenig Text und ausdrucksstarke Bilder)
Zöller u.a. – Ich bin ganz schön wütend !; Ellermann (Vorlesegeschichten, die von Wut in ihren verschiedenen Ausprägungen handeln)
Zöller u.a. – Ich will aber nicht !; Ellermann (Vorlesegeschichten zum Thema „Trotzigsein“)
Reichenstetter – Pia Dickkopf mag heut nicht; Arena/Bücherbär (Trotz und wie man sich damit selber das Leben schwermacht)

Angst:

Dierßen – Toddel, der mutigste Hase der Welt; NordSüd (Mut zur Ehrlichkeit)
Stier – Jakob will stark sein; Thienemann (Selbstvertrauen)
Shaw – Der kleine Angsthase; KinderBuchVerlag (Mutig sein, wenn es darauf ankommt)
Zöller u.a. – Ich will mutig sein !; Ellermann (Vorlesegeschichten, die von Angst und Mut handeln)
Jüngling – Das Zaubermittel; Albarello (Angst, mangelndes Selbstvertrauen)

Streit/Eifersucht:

Blazejovsky – Das Königsspiel; Jungbrunnen (Streit unter Kindern)
Treiber – Weil-das wird immer so sein; Dachs (Eifersucht auf den großen Bruder)
Bröger – Immer nur Amelie; Arena (Verschiedene Geschichten zum Thema Eifersucht und Freundschaft)
Bydlinski – Der Zapperdockel und der Wock; Dachs (Verletzungen durch Worte, die Figuren sind abstrakte Geschöpfe)
Kinskofer – Der Tag, an dem Marie ein Ungeheuer war; Bajazzo (Was beleidigende Worte bei einem Kind anrichten können)
Mc Kee – Du hast angefangen !-Nein, du !; Sauerländer (Streit und Versöhnung)
Zöller u.a. – Du hast angefangen !; Ellermann (Vorlesegeschichten von Streit und Versöhnung)
Spathelf – Die kleinen Streithammel; Albarello (Wie aus einer Meinungsverschiedenheit ein handfester Streit wird und wie man ihn vermeiden kann)
Jüngling – Eine Rassel für das neue Baby; Albarello (Gemischte Gefühle eines Kindes angesichts der durch ein Baby veränderten Familiensituation)

Über den Umgang mit Behinderung:

Tibo – Schwarze Augen; NordSüd (Blindheit)
Sedlmayer – Mein Teddy braucht mich; G&G (Behinderung allgemein, Unfall)
Huainigg – Meine Füße sind der Rollstuhl; Betz (Alltag mit Behinderung, Reaktionen der Umwelt)
Sansone – Florian lässt sich Zeit; Tyrolia (Down-Syndrom)

Generationskonflikt:

Weigelt – Der Biber geht fort; Findling
Maar – Die Biberburgenbaumeister; Ellermann
Harranth – Mein Opa ist alt, und ich hab ihn sehr lieb; Jungbrunnen (Erzählt von den schönen und schwierigen Seiten des Alters)

Persönlichkeitsbildung:

Lobe – Das kleine Ich bin ich; Jungbrunnen (Der Klassiker schlechthin zum Thema „Individualität“ !)
Patten – Kleines Hotsch Potsch; Bloomsbury (Thematik wie oben, nur deutlich weniger Text und somit auch für kleinere Kinder geeignet)
Wagener – Wölfchen; bohem press (Anpassung und Individualität)
Funke – Die Glücksfee; Fischer (Besinnung auf die wesentlichen Dinge des Lebens statt Unzufriedenheit)
Geisler – Mein Körper gehört mir !; Loewe (Kinder haben das Recht, sich gegen jegliche unerwünschte Berührung zu verwehren)
Kreul – Ich und meine Gefühle; Loewe (Gefühle und wie man mit ihnen umgeht)
Zöller u.a. – Ich bin ein richtiger Junge !; Ellermann (Vorlesegeschichten, die davon handeln, dass Gefühle keine Schwäche sind)
Rahn – Wie sagt man ?; Ellermann (Einfache Benimmregeln, sehr witzig geschrieben und illustriert)
Funke – Rosannas großer Bruder; Oetinger (Erfüllte Wünsche bzw. Lügen führen nicht immer zum gewünschten Ziel)
Dumont - Ich habe Angst vor diesem Mann; Kindermann (Exhibitionismus, Gewalt gegen Kinder und Bewältigung traumatischer Erlebnisse)
Haberlander – Geh nie mit einem Fremden mit; Ellermann (Kindesmissbrauch durch Fremde)
Spathelf – Der kleine Aufräumfix; Albarello (Nie mehr Chaos im Kinderzimmer)
Volmert – Wenn du dich verlaufen hast; Albarello (Konkrete Anleitung zum Verhalten in dieser Situation)
Spathelf – Jetzt wird aber geschlafen !; Albarello (Kinderängste und deren Bewältigung, wobei auch die Probleme der Eltern bei schlaflosen Nächten veranschaulicht werden)
Mauz – Geschlafen wird später !; Dachs (Wie sich Angebereien – hier unter Bezug auf das Fernsehendürfen - gegenseitig aufschaukeln, psychologisch sehr gut beobachtet, etwas mehr Text)
Stellmacher – Ich will so bleiben, wie ich bin; Ravensburger (Anhand einer kunterbunten Tierschar wird verdeutlicht, wie sehr Werbung zu manipulieren versucht und wie unerreichbar die dort dargestellten Ideale sind)

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1- Vorwort
2- Leseförderung beginnt schon bei den Kleinsten
3- Der Stellenwert des Buches im Kindergartenalter
4- Warum Problembilderbücher wichtig sind
5- Der große Schritt zum Selberlesen
6- Nicht alles, was glänzt, ist Gold
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