Der große Schritt zum Selberlesen
Lassen Sie mich dieses Kapitel mit einer Beobachtung beginnen, die ich in meinem Berufsalltag nicht nur einmal gemacht habe: Ein Kind im Vorschulalter interessiert sich für den Inhalt des Schaufensters, woraufhin die erwachsene Begleitung ebenfalls stehenbleibt. Die Aufmerksamkeit des Kindes konzentriert sich auf ein bestimmtes Buch, welches seinem Alter durchaus entspricht, es bekundet verbal seinen Wunsch – und erhält als Antwort: „Du bekommst erst dann das Buch, wenn du lesen kannst !“ Was lernen wir aus dieser traurigen Anekdote über die Tatsache hinaus, dass Schaufensterscheiben nur selten schalldicht sind ? Hier wird ein Pferd von hinten aufgezäumt, um bildlich zu sprechen. Wenn man die Situation überträgt, wird noch deutlicher, wie absurd eine solche Aussage ist, denn stellen Sie sich vor, jemand würde zu seinem Kind sagen: „Du bekommst ein Fahrrad, aber erst dann, wenn du fahren gelernt hast !“ So funktioniert Leseerziehung jedenfalls nicht.
Ab einem Alter von etwa fünf Jahren beginnen sich Kinder im allgemeinen nicht mehr nur für die Bilder der Vorleselektüre zu interessieren, sondern auch für den Text selber, den sie bei oft gelesenen Geschichten mit erstaunlicher Präzision im Gedächtnis behalten. Wer schon einmal eine Geschichte durch Auslassung verkürzen wollte oder sich auch aus Müdigkeit beim Umblättern geirrt hat und daraufhin vom Kind unverzüglich korrigiert wurde, dass da aber jetzt was fehle (und das fehlende Textstück auch gleich noch vorgesagt bekam), weiß, was ich meine ! Das Kind möchte zusehends öfter beim Vorlesen mitschauen und fragt bei längeren Textpassagen immer wieder nach, welchen Satz man denn soeben vorgelesen habe. Auch wenn dieses Interesse wegen der Unterbrechungen mitunter etwas störend wirkt, sollte man es nicht unterbinden, sondern sich die Neugier zunutze machen und Lesebilderbücher in die Lektüre integrieren. Lesebilderbücher werden durch eine bestimmte Eigenheit im Text gekennzeichnet, nämlich das Ersetzen mancher Hauptwörter durch entsprechende Bilder; die Geschichten sind einfach gehalten und selbstverständlich bunt illustriert, das Format entspricht meist einer Zwischengröße zwischen Bilderbuch und Lesebuch im Normalformat. Der Clou bei diesen Büchern ist die Möglichkeit, das Kind den großgedruckten und übersichtlich unterteilten Text mitverfolgen und es jeweils das im Satzverlauf abgebildete Substantiv „lesen“ zu lassen, wodurch es – um seinen Einsatz nicht zu verpassen – gesteigerte Aufmerksamkeit an den Tag legt und so spielerisch den Weg zum Selberlesen findet.
Lesebilderbücher bilden den Grundstein, danach folgen, je nach Verlag verschieden abgestuft, in Etappen jeweils weitere Bücher, die Kinder Schritt für Schritt zu Lektüre mit nur mehr wenigen Bildern und größeren Textmengen hinführen. Die wahrscheinlich am besten durchdachte Buchreihe zum Lesenlernen bietet der Loewe-Verlag mit seiner sogenannten Leseleiter (Bildermaus – Bilderdrache – Lesespatz – Lesetiger – Lesefant – Lesepiraten – Leselöwen – Lesekönig) an, die eine bemerkenswerte Feinabstimmung vorzuweisen hat; großformatige Lesebilderbücher mit zusätzlichen Suchbildern (auch geeignet für die Förderung von Legasthenikern) bringt der Lentz-Verlag in der Reihe „Ich lese was ... Lesen lernen mit Bildern“ heraus. Ravensburger produziert die beliebte „Leserabe“-Reihe mit drei verschiedenen Abstufungen, der Oetinger-Verlag hat zwei empfehlenswerte Reihen für Leseanfänger im Programm, die unter den Bezeichnungen „Laterne, Laterne“ und „Sonne, Mond und Sterne“ geführt werden.
Manche Kinder fürchten sich vor dem Lesen, weil sie glauben, keine Geschichten mehr vorgelesen zu bekommen, sobald sie selber lesen können; diese Befürchtung lässt sich jedoch durch die Beibehaltung des gewohnten Lesens zum Abschluss des Tages schnell beseitigen. Wenn Bücher einen fixen Platz im Leben aller Familienmitglieder einnehmen, wird ein Kind umso schneller lesen können wollen; gemeinsame, wöchentliche Leseabende bieten sich als Kontrast zum Fernsehen an und können so zu einem liebgewordenen Ritual werden.
Ab einem Alter von etwa fünf Jahren beginnen sich Kinder im allgemeinen nicht mehr nur für die Bilder der Vorleselektüre zu interessieren, sondern auch für den Text selber, den sie bei oft gelesenen Geschichten mit erstaunlicher Präzision im Gedächtnis behalten. Wer schon einmal eine Geschichte durch Auslassung verkürzen wollte oder sich auch aus Müdigkeit beim Umblättern geirrt hat und daraufhin vom Kind unverzüglich korrigiert wurde, dass da aber jetzt was fehle (und das fehlende Textstück auch gleich noch vorgesagt bekam), weiß, was ich meine ! Das Kind möchte zusehends öfter beim Vorlesen mitschauen und fragt bei längeren Textpassagen immer wieder nach, welchen Satz man denn soeben vorgelesen habe. Auch wenn dieses Interesse wegen der Unterbrechungen mitunter etwas störend wirkt, sollte man es nicht unterbinden, sondern sich die Neugier zunutze machen und Lesebilderbücher in die Lektüre integrieren. Lesebilderbücher werden durch eine bestimmte Eigenheit im Text gekennzeichnet, nämlich das Ersetzen mancher Hauptwörter durch entsprechende Bilder; die Geschichten sind einfach gehalten und selbstverständlich bunt illustriert, das Format entspricht meist einer Zwischengröße zwischen Bilderbuch und Lesebuch im Normalformat. Der Clou bei diesen Büchern ist die Möglichkeit, das Kind den großgedruckten und übersichtlich unterteilten Text mitverfolgen und es jeweils das im Satzverlauf abgebildete Substantiv „lesen“ zu lassen, wodurch es – um seinen Einsatz nicht zu verpassen – gesteigerte Aufmerksamkeit an den Tag legt und so spielerisch den Weg zum Selberlesen findet.
Lesebilderbücher bilden den Grundstein, danach folgen, je nach Verlag verschieden abgestuft, in Etappen jeweils weitere Bücher, die Kinder Schritt für Schritt zu Lektüre mit nur mehr wenigen Bildern und größeren Textmengen hinführen. Die wahrscheinlich am besten durchdachte Buchreihe zum Lesenlernen bietet der Loewe-Verlag mit seiner sogenannten Leseleiter (Bildermaus – Bilderdrache – Lesespatz – Lesetiger – Lesefant – Lesepiraten – Leselöwen – Lesekönig) an, die eine bemerkenswerte Feinabstimmung vorzuweisen hat; großformatige Lesebilderbücher mit zusätzlichen Suchbildern (auch geeignet für die Förderung von Legasthenikern) bringt der Lentz-Verlag in der Reihe „Ich lese was ... Lesen lernen mit Bildern“ heraus. Ravensburger produziert die beliebte „Leserabe“-Reihe mit drei verschiedenen Abstufungen, der Oetinger-Verlag hat zwei empfehlenswerte Reihen für Leseanfänger im Programm, die unter den Bezeichnungen „Laterne, Laterne“ und „Sonne, Mond und Sterne“ geführt werden.
Manche Kinder fürchten sich vor dem Lesen, weil sie glauben, keine Geschichten mehr vorgelesen zu bekommen, sobald sie selber lesen können; diese Befürchtung lässt sich jedoch durch die Beibehaltung des gewohnten Lesens zum Abschluss des Tages schnell beseitigen. Wenn Bücher einen fixen Platz im Leben aller Familienmitglieder einnehmen, wird ein Kind umso schneller lesen können wollen; gemeinsame, wöchentliche Leseabende bieten sich als Kontrast zum Fernsehen an und können so zu einem liebgewordenen Ritual werden.
walküre - 22. Aug, 09:56

