Freitag, 17. August 2007

Der Stellenwert des Buches im Kindergartenalter

Das Kind geht nun also schon in den Kindergarten; es lernt, sich in einer größeren Gemeinschaft zu behaupten, wird selbstständiger, selbstsicherer und entwickelt sich psychisch und physisch sehr schnell – oft schneller, als einem lieb ist, weil man plötzlich mit der Erkenntnis konfrontiert wird, dass auch 3-jährige Kinder zeitweise schon verhältnismäßig unabhängig sind und die Eltern nicht mehr permanent an erster Stelle im Leben des Kindes stehen. Behalten sie dennoch die liebgewonnenen heimischen Rituale, das Lesen betreffend, bei ! Widmen Sie sich zu fixen Zeiten ausschließlich Ihrem Kind und geben Sie ihm immer wieder die Möglichkeit, zu wählen zwischen gemeinsamen altersgerechten Gesellschaftsspielen und Vorlesen bzw. dem Anschauen von Büchern; achten Sie darauf, dass zwischen diesen Beschäftigungen ein ausgewogenes Verhältnis herrscht. Das gewohnte Ritual beim Einschlafen gewinnt in diesem Alter, das mit so vielen Veränderungen verbunden ist, an Bedeutung, weil es mehr denn je Trost und Geborgenheit vermittelt und sollte deshalb eher verlängert als gekürzt werden.

Mehrfach habe ich die Beobachtung gemacht, dass Kinder ab einem Alter von ca. 3 Jahren sich enorm für Puzzles begeistern können; zwischen Lesen und Puzzlebauen existieren meines Erachtens Parallellen, da die Hauptaufgabe jeweils darin besteht, einzelne Teile zu einem Ganzen zusammenfügen. Ein Puzzle setzt sich bekanntermaßen aus vielen kleine Teilen zusammen, die wiederum größere Flächen ergeben, aus welchen dann ein komplettes Bild entsteht – ein Buch besteht aus Buchstaben, Wörtern und Sätzen, die eine Geschichte erzählen. Ich bin aufgrund meiner diesbezüglichen Wahrnehmungen der Ansicht, dass Kinder, die gerne Puzzles bauen, wesentlich leichter lesen lernen – vermutlich eben aufgrund der Ähnlichkeit der Anforderungen, die beide Tätigkeiten an das Gehirn stellen.

Von der Art der verfügbaren Literatur her ist das Alter zwischen 3 und 6 Jahren ein überaus angenehmes, denn das Angebot an Bilderbüchern ist groß und Kinder dieser Altersstufe haben ausgesprochen vielseitige Interessen und darüber hinaus ein enormes Aufnahmevermögen. Frühere Versäumnisse, was die Leseerziehung anbelangt, können im Kindergartenalter noch gut ausgeglichen werden; die meisten Kindergärten verfügen über wohlgefüllte Bücherregale, und Vorlesen gehört zum Tagesprogramm, sodass der Umgang mit Büchern für die Kinder selbstverständlich wird.

Leider werden viele Kindergärten budgetär sehr knapp gehalten, sodass es nicht möglich ist, regelmäßig neue Bücher anzuschaffen; hier bietet sich jedoch eine Lösung an, die dafür sorgt, dass Kinder mit den verschiedensten Büchern in Berührung kommen, ohne dass Kosten in großem Stil entstehen. Das Geheimnis heißt Büchertausch und funktioniert folgendermaßen, das Einverständnis aller beteiligten Eltern vorausgesetzt: Zu Beginn des Kindergartenjahres wird für jedes Kind ein Buch angekauft, wofür die jeweiligen Eltern die Kosten tragen. Es ist sinnvoll, wenn die jeweilige Gruppenleiterin in Zusammenarbeit mit den Eltern die Auswahl trifft, da so Mehrfachkäufe vermieden werden und außerdem nicht alle Eltern über entsprechende Kenntnisse, das Angebot an Kinderbüchern betreffend, verfügen; eine Abwicklung des Einkaufes über den Kindergarten vereinfacht darüber hinaus den Ablauf. Das Ergebnis sollte eine ausgewogene Mischung aus Geschichten, Problembilderbüchern (auf diese Sparte gehe ich in einem eigenem Kapitel ein) und Sachbilderbüchern sein. Die Bücher werden nun nach einem bestimmten, von der Zahl der Kinder in der Gruppe abhängigen Plan im Wochen- bzw. 2-Wochen-Takt getauscht, sodass jedes Kind in einer Gruppe von beispielsweise 20 Kindern pro Kindergartenjahr 20 Bücher kennenlernt; am Jahresende bekommt es wieder sein eigenes Buch. Sollte ein Buch verlorengehen oder einer Zerstörungsaktion anheimfallen, muss es natürlich von den Eltern des Kindes, welches den Schaden verursacht hat, ersetzt werden. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, darauf zu achten, dass es sich bei den anzukaufenden Büchern um Neuerscheinungen oder lange verfügbare Klassiker handelt, denn nicht mehr lieferbare und somit nicht mehr nachkaufbare Bücher verkomplizieren den Ablauf dieser Tauschaktion unnötig.

Was ich Ihnen an dieser Stelle ans Herz legen möchte:
Nutzen Sie das in diesem Alter unglaubliche Potential des kindlichen Geistes und fördern Sie Ihr Kind nach Kräften ! Damit meine ich jedoch nicht, dass Sie Ihren Nachwuchs in einen strikt einzuhaltenden Stundenplan einbinden sollen, sondern dass es wichtig ist, Ihr Kind behutsam beim Erwerb von Wissen und sozialer Kompetenz zu unterstützen. Bieten Sie Lektüre an, die den Interessen entspricht, unterbreiten Sie jedoch auch Vorschläge, was Alternativen und Erweiterungen anbelangt, die Ihnen selber angebracht erscheinen, aber reagieren Sie nicht gekränkt, wenn diese nicht oder nicht im erwünschten oder erhofften Maße angenommen werden ! In diesem Alter ist noch kein Lehrplan zu erfüllen, bestenfalls kann man versuchen, bestimmte Ziele zu erreichen, die jedoch nicht von elterlichem Ehrgeiz definiert werden und keinen Zeitlimits unterworfen sein sollen.

Genießen Sie es, die Welt mit den Augen Ihres Kindes zu sehen; tauchen Sie mit ihm ein in die wunderbare Welt der Bilderbücher, denen auf meist 32 großformatigen Seiten oft so viel mehr Weisheit innewohnt als so manchem künstlich in die Länge gezogenen Bestseller, der sich sein Publikum erjammert, statt die schönen Seiten des Lebens aufzuzeigen ! In diesem Alter sind Kinder sehr empfänglich für unterschwellige Botschaften, deshalb sollten Sie darauf achten, dass positive Inhalte vermittelt werden oder zumindest der Schluss vom Kind als positiv empfunden wird; Bücher mit negativem Ausgang oder ungelösten Handlungsfäden können auf ein Kind dieses Alters ausgesprochen verstörend wirken und sollten tunlichst vermieden werden, um das noch nicht gefestigte Urvertrauen des Kindes nicht unnötig zu erschüttern.

In diesem Zusammenhang drängt sich das Stichwort „Märchen“ auf, das immer wieder für Kontroversen sorgt. Aus meiner Erfahrung als Buchhändlerin und Mutter heraus behaupte ich, dass Märchen grundsätzlich wichtig für die kindliche Entwicklung sind, weil sie einem Kind die Möglichkeit verschaffen, tragische Geschehnisse von einer sicheren Warte aus mitzuerleben und sich gleichzeitig mit den Guten zu identifizieren, um am Ende der Geschichte erleichtert aufzuatmen. Gerne wird dem klassischen Märchen angekreidet, dass es Schwarz-Weiß-Malerei betreibt; mein Einwand dazu lautet, dass ein Kind noch früh genug erfährt, dass es Grauzonen gibt. Die grundsätzliche Unterscheidung besteht in jener zwischen Gut und Böse, denn nur so können kleineren Kindern Werte vermittelt werden, alles andere würde den kindlichen Horizont übersteigen. Würden Sie im Falle eines Einbruchs in Ihre vier Wände mit Ihrem dreijährigen Kind darüber diskutieren, welcher soziale Hintergrund den oder die Täter wohl zu diesem Vergehen bewogen haben könnte ? Eher nicht, denn das Ergebnis wäre tiefe Verunsicherung seitens des Kindes, das in seinem Alter wohl kaum verstehen würde, warum eine Tat ein strafbares Delikt sein kann, der Täter jedoch deshalb keineswegs zwangsläufig ein schlechter Mensch sein muss !

Sehen Sie sich die Märchenbücher vor dem Kauf an und lassen Sie sich beraten, was die verschiedenen Ausgaben anbelangt; einige der klassischen Märchen der Brüder Grimm eignen sich in kindgerechter Ausgabe durchaus zum Vorlesen, im Originaltext jedoch nicht zuletzt aufgrund ihrer Länge meiner Ansicht nach eher nicht. Viele Motive der bekannten Märchen finden sich auch bei Ludwig Bechstein, oft in abgemilderter und humorvollerer Form; von den Märchen, die Ludwig Hauff geschrieben hat, rate ich für kleinere Kinder ab, da sie zwar literarisch hochwertig, aber durchwegs sehr gruselig sind. Andersen hat wunderbare Geschichten für große und kleine Menschen verfasst, wobei zu berücksichtigen ist, dass nicht alle ein glückliches Ende im klassischen Sinn vorzuweisen haben. Mein Tipp: Lesen Sie grundsätzlich Märchen zuerst selber sozusagen „im stillen Kämmerlein“ und selektieren Sie, was Ihrer Meinung nach für Ihr Kind geeignet ist und was (noch) nicht. Wenn Sie diese Geschichten dann vorlesen, sehen Sie sich gemeinsam die Illustrationen an (von reinen Textbüchern rate ich im Vorschulalter ab) und sprechen Sie über das Gelesene, wobei Sie auf die Reaktionen des Kindes achten sollten. Wenn Ihr Kind sich bei einem bestimmten Märchen ängstigt, aber dennoch wieder verlangt, dass sie es vorlesen, lehnen Sie nicht ab, denn nur durch wiederholte Konfrontation kann es seine Ängste bewältigen und verarbeiten - dies gilt auch für andere Geschichten.

Leseförderung beginnt schon bei den Kleinsten

Eine der sichersten Möglichkeiten, in einer größeren Runde Reaktionen von ungeahnter Bandbreite hervorzurufen, ist die Feststellung, Sie würden bereits Ihrem Baby Geschichten vorlesen. Sofern es sich nicht um einen Kreis pädagogisch geschulter Menschen handelt, werden die meisten Anwesenden im günstigsten Fall mit Kopfschütteln oder einem mitleidigen Lächeln reagieren. Lassen Sie sich nicht irritieren, denn Sie wissen es besser; spätestens beim Schuleintritt werden Sie – und vor allem Ihr Kind - die Früchte Ihrer Förderung ernten !

Das am häufigsten vorgebrachte Gegenargument lautet: „Aber das Baby versteht ja noch gar nichts vom Vorgelesenen !“. Lernen, und zwar speziell das kindliche, funktioniert aber keineswegs nur über das Verstehen von Inhalten. Wenn dem nicht so wäre, hätte es keinen Sinn, in den ersten Lebensmonaten mit dem Kleinkind zu sprechen, nicht wahr ? Wir kommunizieren aber vom ersten Tag an verbal mit unserem Kind und ermöglichen ihm damit die Erfahrung von Geborgenheit beim Hören einer liebevollen, vertrauten Stimme. Ein Kind versteht Worte, lange bevor es selbst spricht, wodurch sein passiver Wortschatz wächst; auch in der weiteren Entwicklung wird dieses „Wortesammeln“ beibehalten, wodurch dann jene Situationen entstehen, in denen man verblüfft aus dem Munde des Kindes beispielsweise Fremdwörter oder auch Fachausdrücke vernimmt, die durchaus nicht dem kindlichen Wortschatz entsprechen, jedoch völlig richtig angewandt und ausgesprochen werden.

Machen Sie aus dem Vorlesen ein Ritual, denn was vom Babyalter an vertraut und für das Kind mit positiven Erfahrungen belegt ist, wird es gerne die nächsten Lebensjahre hindurch beibehalten. Schaffen Sie eine entspannte, ruhige, sanfte Atmosphäre, in der sich alle Anwesenden wohl fühlen; schalten Sie diverse Unterhaltungselektronik aus und sorgen Sie dafür, dass Sie weder durch das Läuten eines Telefones noch durch penetrante Mitmenschen, die meinen, an der Haus- oder Wohnungstüre Sturm läuten zu müssen, gestört werden. Hier geht es um weit mehr als „nur“ Lesen: Ihr Kind erfährt, dass es wert ist, Zeit gewidmet zu bekommen, die ausschließlich ihm gehört, dass es ein wichtiger Bestandteil der Familie ist, der nicht hinter Fernsehen, Computer und mitteilungsbedürftige Nachbarn gereiht wird, sondern in dieser Situation im Mittelpunkt steht. Sie werden sehen, dass auch Ihnen diese rigorose Vorgangsweise gut tut; zunächst vermeint man noch, unbedingt zum Telefon oder zur Tür laufen zu müssen, nach ein bisschen Training jedoch macht sich jedoch eine wohltuende Gelassenheit bemerkbar.

Für die ganz Kleinen eignen sich durchaus auch längere Geschichten, da der Hauptaspekt in diesem Alter beim Klang einer angenehmen Stimme liegt. Parallel dazu empfiehlt es sich, den kleinen Wesen auch bereits Bücher zum Spielen in die Hände zu geben, um die haptische und visuelle Erfahrung „Buch“ machen zu können. Ideal sind hier hübsche, bunte Bücher aus Stoff oder auch Plastik, die selbstverständlich hohe Standards, die Qualität von Material und Verarbeitung betreffend, aufweisen müssen. Stoffbücher sollten waschbar sein, denn spätestens beim Zahnen werden sie in den Mund genommen; Bücher aus Kunststoff sind zwar weniger weich, haben aber den Vorteil, dass sie mit in die Badewanne und ins Planschbecken genommen werden können, worauf auch die offizielle Bezeichnung „Badewannenbuch“ hinweist.

Mit etwa 8 Monaten kann man beginnen, dem Kind auch stabile Bilderbücher aus Karton in die Hände zu geben; in dieser Phase ist es wichtig, diese Bücher gemeinsam mit dem Kind anzusehen und die dargestellten Abbildungen zu benennen – diese Vorgangsweise bereichert den Wortschatz und fördert die Wiedererkennung. Wahrscheinlich wird es auch versuchen, das Buch auf seine Haltbarkeit hin zu überprüfen, was ein Pappbuch im allgemeinen auch aushält, jedoch ist es wichtig, dass das Kind die Erfahrung macht, dass ihm ein Buch, das es zerrissen hat, nicht mehr zur Verfügung steht – wenn die vorhandene Spielzeugmenge überschaubar ist (was sie auch sein sollte), wird es dadurch lernen, dass es Dinge gibt, die behutsam behandelt werden müssen. Erklären Sie Ihrem Kind in einfachen Worten, dass nicht alles beliebig ersetzbar ist; und auch wenn Sie das betreffende Buch nachkaufen können, sollten Sie einige Wochen verstreichen lassen, bevor Sie es dem Kind wieder zu Verfügung stellen.

Im Bereich der Pappbilderbücher finden Sie eine große Bandbreite an verfügbaren Titeln: angefangen bei kleinen, handlichen Büchlein, in denen auf jeder Seite färbig unterlegt ein einzelner Gegenstand oder eine einzelne Figur zu sehen sind, über die beliebten, vorrangig bei Lexikonverlagen erscheinenden kleinformatigen Sachbücher zu bestimmten Themen („Tiere“, „Bauernhof“, „Farben“, „Jahreszeiten“) bis hin zu den großformatigen sogenannten Wimmelbilderbüchern, in denen auf liebevoll und dicht illustrierten Doppelseiten jede Menge spannende und witzige Details zu entdecken sind. Mit diesen können sich etwas größere Kinder auch eine Weile ganz gut alleine beschäftigen, jedoch macht es viel Vergnügen, mit ihnen gemeinsam auf Entdeckungsreise zu gehen. Sie werden staunen, welch genauer Blick fürs Detail Kindern zu eigen ist – dagegen nimmt sich die Wahrnehmung eines Erwachsenen zum Gaudium der anwesenden Kinder äußerst unterentwickelt aus („Mama, siehst du den Schmetterling da auf dem Bild ?“ – Ich seh keinen ... das ist irgendwie ziemlich peinlich ... - „Nein, mein Kind, noch nicht, ich suche noch !“ Spätestens bei dieser Aussage macht sich bei Kindern im Kindergartenalter ein leicht süffisantes Lächeln bemerkbar ... ).

Natürlich gibt es auch hübsche Geschichtenbücher in stabiler Ausstattung, ebenso für Kleinkinder adaptierte und gekürzte Märchen. Kinder mögen auch sogenannte Fühlbücher (manchmal auch als "Fühlbilderbücher" bezeichnet) gerne, deren Seiten mit Fühlelementen, glitzernder Folie und/oder Türchen zum Aufklappen versehen sind; der Überraschungseffekt geht auch nicht verloren, wenn das Fensterchen zum x-ten Male geöffnet wird. Kinder brauchen die Erfahrung, zu wissen, was sie erwartet - ich bin der Ansicht, ein Kind würde sehr erschreckt reagieren, fände es plötzlich hinter einem Aufklapptürchen eine andere als die bereits vertraute Abbildung. Unter diesem Aspekt muss man auch die Tatsache sehen, dass ein Kind manchmal über einen relativ langen Zeitraum hinweg immer wieder die selbe Geschichte vorgelesen bekommen möchte. Auch wenn Sie selber nicht recht wissen, was Ihr Kind an einem bestimmten Text findet – tun Sie ihm den Gefallen und lesen Sie ihn trotzdem, denn mit Sicherheit gibt es darin etwas, woraus Ihr Kind Kraft bekommt oder was es für sich verarbeiten muss. Seien Sie in dieser Situation zurückhaltend, was Kommentare anbelangt – ein achtlos und etwas abwertend ausgesprochenes „Was du an dem Buch findest !“ kann mehr Schaden anrichten, als Sie vielleicht für möglich halten, weil solche Aussagen von Kindern persönlich genommen werden („Papa sagt, das Buch ist blöd, also bin ich wohl auch blöd, weil ich es mag ...“).

Lassen Sie Ihr Kind Vorlesegeschichten auswählen; wenn die Auswahl größer ist und Ihrem Kind die Entscheidung schwerfällt, verkleinern Sie die Auswahl, indem Sie selber drei oder vier thematisch möglichst verschiedene Bücher vorwählen und dem Kind dann die Entscheidung überlassen. Wie sehr Kinder Rituale lieben, zeigt sich daran, dass manche Kinder, denen viel vorgelesen wird, alleine mit der Androhung des Nichtvorlesens in Trotzphasen zur Räson gebracht werden können. Ideal in jedem Alter ist natürlich das abendliche Vorlesen von Gutenachtgeschichten, weil es die Möglichkeit bietet, den Tag friedlich ausklingen zu lassen, weil es schon dem Kleinkind Geborgenheit vermittelt und es auf den Schlaf einstimmt.

Vorwort

Wir leben in einer Zeit globaler Vernetzung via Internet; die Geschwindigkeit, mit der sich heute Informationen verbreiten sowie die Menge an jederzeit abrufbarem Wissen übertreffen alles bisher Dagewesene. Noch unsere Großeltern wagten nicht einmal, von den Möglichkeiten zu träumen, die uns mittlerweile offenstehen - und die Entwicklung neuer Informationstechnologien ist noch lange nicht am Ende des Machbaren angelangt. Was Menschen im Umgang mit den neuen Medien brauchen, ist die Fähigkeit, Zusammenhänge schnell zu begreifen, Texte ihrem Sinn nach zu erfassen und sich auch bei komplizierteren Inhalten pointiert zu artikulieren. Da Computer aus der modernen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken sind, aber auch im Privatleben vieler Menschen bereits eine große Rolle spielen, wird die Zukunft jenen gehören, die diesem Anspruch gerecht werden.

Je geübter ein Mensch im Lesen ist, desto schneller kann sein Gehirn Texte sinnerfassend verarbeiten, darüber hinaus bedingt ein gewisser Grad an Belesenheit auch ein umfangreiches Repertoire an Begriffen und Formulierungen, welche ihm erlauben, auch schwierigere Sachverhalte in verständlicher Form verbal darzustellen. Zu Beginn des dritten Jahrtausends wohnt dem Lesen in vielen Familien nicht mehr jener Stellenwert inne, der ihm seinem Wesen nach zustünde, wobei man nicht auf PISA-Studien zurückgreifen muss, um diese Tatsache bestätigt zu sehen, sondern sich nur mit Volks- bzw. Grundschullehrkräften unterhalten muss. Diese sind täglich mit den massiven Defiziten im Spracherwerb konfrontiert, mit denen Kinder heute aufwachsen. Das Gros der privaten Fernsehsender trägt einen nicht unwesentlichen Teil dazu bei, Kinder sprachlich verkümmern zu lassen, sodass es an der Zeit ist, dieser Nivellierung nach unten entgegenzutreten, und um dazu einen Beitrag zu leisten, führe ich dieses Weblog, in das sowohl meine berufliche Erfahrung als Buchhändlerin mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur als auch meine Erlebnisse als Mutter einfließen.

Aus Erfahrung weiß ich, dass es für die meisten Eltern kleinerer Kinder oft zu zeitaufwändig ist, sich auf der Suche nach speziellen Informationen durch lange Texte zu quälen, weshalb ich meine Einträge in Kategorien gegliedert habe, in denen Sie nach Lust und Laune schmökern können. Lesen Sie quer, nehmen Sie aus meinen Texten mit, was Sie zum jeweiligen Zeitpunkt brauchen können und lassen Sie liegen, was Ihnen gerade unwichtig erscheint, denn worum es sich jeweils handelt, ersehen Sie bereits aus den jeweiligen Bezeichnungen der Kategorien. Mir ist es ein persönliches Anliegen, Kindern Zugang zum Lesen zu verschaffen, und ich hoffe, mit diesem Weblog ein wenig zur Erreichung dieses Zieles beizutragen. Die Seiten werden sich nach und nach mit konkreten Anregungen zur Leseförderung sowie vielen Buchrezensionen sowohl von Klassikern als auch von Neuerscheinungen füllen und ich würde mich sehr freuen, auf diese Weise meiner Leserschaft hilfreich sein zu können !

Für Fragen, Wünsche und Anregungen stehe ich übrigens mittels Kommentarfunktion jederzeit gerne zur Verfügung, wobei unsachliche und beleidigende Stellungnahmen sowie Spam umgehend entfernt werden. Bitte haben Sie ferner Verständnis dafür, dass ich kein Impressum anführe; da meine Texte keine bezahlten Auftragsarbeiten sind, agiere ich unter meiner Privatadresse, die ich aus nachvollziehbaren Gründen nicht im weltweiten Netz veröffentlichen möchte. Bei Twoday liegen meine Daten selbstverständlich auf; auch hier gilt, dass ich im Falle von Unklarheiten via Kommentar erreichbar bin.

Gewidmet allen Menschen, die an eine bessere Zukunft glauben
M.H.

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